Mobiles Bezahlen: Smartphone anstatt Portemonnaie

In diesem Ratgeber dreht sich alles um den aktuellen Stand beim Thema "mobiles Bezahlen"

Der Begriff „Mobile Payment“ geistert schon seit Jahren durch die Mobilfunkbranche. Seit der Einführung von NFC-Chips in Handys ist die Technik soweit startklar – theoretisch können Bankdaten von EC- und Kreditkarten auf dem Smartphone abgespeichert und zum Zahlen genutzt werden. Serienreif ist die Methode allerdings erst in den letzten Monaten geworden.

Mobiles Bezahlen in Aktion

Das ist Mobile Payment

Mit dem Handy kann man eigentlich schon seit Jahrzehnten bezahlen: Per SMS und Nachrichtendienst konnten Nutzer bereits Ende der 90er Jahre z.B. Klingeltöne über das Mobilfunknetz bestellen. Die Kosten wurden dann auf die monatliche Rechnung gesetzt.

Doch das „richtige“ mobile Zahlen wurde erst in den letzten Jahren etabliert. Damit ist ein Bezahlen gemeint, bei dem Verbraucher nicht auf Bargeld oder EC- bzw. Kreditkarten zurückgreifen müssen. Alle Bankinformationen sind im Smartphone abgespeichert und werden durch einfaches Auflegen des Geräts abgerufen – schon ist der Kauf an der Kasse abgeschlossen.

Technische Voraussetzungen

Hardwareseitig wird ein Smartphone mit NFC-Chip und ein entsprechendes Lesegerät an der Kasse benötigt. Von der Software her muss auf dem Handy die passende App installiert sein. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Kategorien: Banking-Apps der einzelnen Bank- und Kreditinstitute sowie Zahlungs-Apps von z.B. Apple oder Google. Dabei ist die Auswahl der nutzbaren Apps an das Betriebssystem des Smartphones sowie der eigenen Bank gekoppelt. Gleichzeitig muss der jeweilige Händler ebenso die jeweilige App und Zahlungsweise unterstützen.

Wer mit dem Smartphone bargeldlos bezahlen will, muss also einige Schritte befolgen. Zunächst muss ein Smartphone mit NFC-Chip genutzt werden und die NFC-Funktion eingeschaltet sein. Danach sollte überprüft und entschieden werden, welche Apps als Bezahlmethode in Frage kommen.

Welche Anbieter gibt es?

Apple Pay kann von allen iPhone-Usern ab der 6. Generation genutzt werden. Ab dem iPhone 6 wurden die kalifornischen Smartphones mit einem NFC-Chip versehen. Apple kooperiert dabei mit unterschiedlichen deutschen Kreditinstituten, z.B. Comdirect, Deutsche Bank oder HypoVereinsbank. Dabei ist die Nutzung einer Kreditkarte zwingend erforderlich. Eine komplette Übersicht der aktuellen und 2019 noch kommenden Kooperationspartner gibt es auf der Informationsseite von Apple Pay.

Wer ein Smartphone mit mindestens Android 5.0 und einem NFC-Chip nutzt, kann auf Google Pay zurückgreifen. Der Dienst unterstützt ebenfalls eine Reihe von deutschen Banken wie Commerzbank oder Comdirect. Anders als Apple Pay gibt es seit Ende 2018 auch eine Methode, die ganz ohne Kreditkarte auskommt: PayPal wird vom mobilen Bezahldienst unterstützt und kann für bargeldlose Transaktionen genutzt werden. Eine Übersicht der kooperierenden Institute findet sich auf der Informationsseite von Google Pay.

Mehr als Apple und Google

Abseits der zwei großen Bezahldienste von Apple und Google gibt es auch eigenständige Lösungen. Sparkasse und Volksbank haben sich keinem Programm angeschlossen, sondern eigenständige Apps entwickelt. Nutzer können bei beiden Banken mobil per Smartphone bezahlen und dabei auf Kreditkarten oder das Girokonto zurückgreifen. Allerdings sind die beiden Dienste derzeit nur unter Android nutzbar. Die Integration unter iOS würde eine Einbindung in Apple Pay erfordern, wogegen sich die Banken bisher gewehrt haben.

Bankdaten: So steht es um die Sicherheit

Smartphone und Bank- oder Kreditkartendaten – eine Kombination, die eigentlich schon nach Datenklau und Sicherheitslücken riecht. Allerdings ist mit der NFC-Technik eine vergleichsweise sichere Technologie für das mobile Zahlen entwickelt worden. Bei einer Transaktion werden die privaten Daten wie Kreditkartennummer oder Bankdaten, nicht 1:1 auf das Terminal übertragen. Für jeden einzelnen Bezahlvorgang wird eine verschlüsselte Kopie dieser Daten erstellt, die einmalig verwendet wird. Kauft der Nutzer am gleichen Tag wieder bargeldlos, wird eine neue, anders verschlüsselte Kopie erzeugt. Diese Technik hört auf den Namen „Host Card Emulation“ (HCE). Das Smartphone emuliert also eine Kreditkarte und wird dementsprechend vom Bezahl-Terminal erkannt.

Als zusätzliches Sicherheitsmerkmal ist es bei Beträgen über 25 Euro häufig erforderlich, die Transaktion zusätzlich per PIN, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung zu bestätigen.

Auch wenn die Technologie hinter Mobile Payment recht sicher ist, sollten Updates der Bezahldienste sowie Betriebssysteme stets und zügig vorgenommen werden, um gegen etwaige Sicherheitslücken schnellstmöglich vorzugehen.

Was die Zukunft bereit hält

Mobile Payment steckt in Deutschland nach wie vor in den Kinderschuhen. Zwar konnten sich mit Apple Pay und Google Pay bereits zwei große Anbieter etablieren, im internationalen Vergleich stehen wir allerdings noch am Anfang. Klar ist, dass die Bandbreite an Bezahldiensten weiter zunehmen wird. Hersteller von Smartphones wie Samsung, LG oder Huawei haben eigene Payment-Apps gelaunched, die in einigen Ländern schon genutzt werden können. Gleichzeitig werden die beiden großen Anbieter versuchen, die Kooperationen mit Banken weiter auszubauen. Fraglich bleibt, ob sich Kreditinstitute mit eigenen App-Lösungen wie z.B. die Sparkasse dauerhaft ohne Apple-Support durchsetzen können.